• 13. Mai 2019

Ernst Primosch, CEO von Edelman Deutschland

„Für die Demokratie müssen Unternehmen ihre Kommunikation verändern!“

Ernst Primosch, CEO von Edelman Deutschland

Ernst Primosch, CEO von Edelman Deutschland 150 150 Sven Lilienström

„Für die Demokratie müssen Unternehmen ihre Kommunikation verändern!“

Ernst Primosch ist Chief Executive Officer von Edelman Deutschland, einer der führenden Kommunikationsagenturen hierzulande und Teil der weltweiten Kommunikationsagentur Edelman. Vor seinem Wechsel leitete der gebürtige Österreicher die Geschicke der PR-Agentur Hill+Knowlton Strategies. Zwischen 2001 und 2009 verantwortete Primosch in seiner Funktion als Global Corporate Vice President bei Henkel die weltweite Neupositionierung des Unternehmens von einem deutschen Chemieunternehmen zu einem globalen FMCG- und Technologiekonzern. Sven Lilienström, Gründer der Initiative Gesichter der Demokratie, sprach mit Ernst Primosch über das Grundgesetz, rechte Parteien und die Frage, ob und wie Unternehmen dazu beitragen können, das Vertrauen in die Demokratie zu stärken.

Ernst Primosch, CEO von Edelman Deutschland | © Edelmann

Herr Primosch, als neues Gesicht in der Riege der „Gesichter der Demokratie“ möchten wir Sie zu allererst fragen: Welchen Stellenwert haben Demokratie und demokratische Werte für Sie ganz persönlich?

Ernst Primosch: Ich denke, erst die Demokratie ermöglicht die Entwicklung eines selbstbestimmten Menschseins.

70 Jahre Grundgesetz: Die provisorische Verfassung vom 23. Mai 1949 bildet heute das Fundament unserer Demokratie. Doch es gibt auch Verbesserungsvorschläge. Braucht unser Grundgesetz ein „Update“?

Ernst Primosch: So wie der Mensch, die Welt, ja das ganze Universum sich in einer permanenten Evolution befindet, wäre es sehr vermessen zu sagen, Deutschland einschließlich seines Grundgesetzes würde das nicht benötigen.

Ein „Weiter so“ führt zum Stillstand und Stillstand zum Untergang!

Ein „Weiter so“ führt zum Stillstand und Stillstand zum Untergang.

Rechte Parteien könnten als Gewinner aus der Europawahl hervorgehen. Welche Folgen hätte ein Erstarken der Rechtspopulisten für deutsche Unternehmen als Profiteure des europäischen Binnenmarkts?

Ernst Primosch: Die rechten Parteien sind keine Gewinner, sie sind die Profiteure der Unfähigkeit der demokratischen Mitte, die dem Wahn verfallen ist, es allen recht machen zu wollen und in Wahrheit unsere Weiterentwicklung fast zum Stillstand gebracht hat.

Rechtspopulisten haben in der Geschichte noch nie etwas zum Besseren gewendet!

Rechtspopulisten würden den Stillstand wahrscheinlich beenden, aber sie haben in der Geschichte noch nie etwas zum Besseren gewendet.

Am Tag der Pressefreiheit hat die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini auf die Gefahren systematischer Desinformation hingewiesen. Haben Sie Erfahrungen mit „Fake News“ gemacht und wenn ja, welche?

Ernst Primosch: Fake News sind die moderne Bezeichnung von Lügen und diese eine Form von Betrug. Ich denke, jeder von uns hat schon mehrmals im Leben damit Erfahrungen gemacht und je stärker man sich in der Öffentlichkeit bewegt, desto mehr Lügen ist man ausgesetzt. Man muss sich dagegen wappnen.

Laut „Edelman Trust Barometer 2019“ bezweifeln immer mehr Menschen, dass das gesellschaftliche System für sie funktioniert. Wie können Unternehmen dazu beitragen, das Vertrauen in die Demokratie zu stärken?

Ernst Primosch: Es stimmt, die Zahlen sind erschreckend. Nur mehr jeder siebte Deutsche sagt, das System arbeitet für ihn und nur jeder Vierte glaubt, dass es ihm und seiner Familie in fünf Jahren besser gehen wird. 70 Prozent wiederum glauben, dass es in diesem Land ungerecht zugeht und drei Viertel wünschen sich eine Veränderung.

Wenn Unternehmen tatsächlich etwas für die Demokratie tun wollen, müssen sie ihre Kommunikation verändern.

Andererseits vertrauen aber 65 Prozent der Deutschen ihrem Unternehmen, was der höchste Wert an Vertrauen über alle Institutionen hinweg ist. Wenn also Unternehmen und ihre Führung über Werbekampagnen hinaus tatsächlich etwas für die Demokratie tun wollen, müssen sie ihre Kommunikation verändern. Damit meine ich echte Kommunikation, die über die ureigensten Themen im Unternehmen hinausgeht. Das geht so weit, dass sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wünschen, dass Unternehmen ihre Mitarbeiter gegenüber anderen Institutionen vertreten.

Eigenlob stinkt! Eine glaubwürdige Unternehmenskommunikation schafft Vertrauen. Müssen Unternehmen künftig ein Stück weit das Image der Unfehlbarkeit ablegen, um ihre Glaubwürdigkeit zu steigern?

Ernst Primosch: Von anderen gelobt zu werden, ist schon seit Jahrtausenden effizienter, als sich selbst zu loben.

All jene, die sich für unfehlbar gehalten haben, sind so rasch verglüht wie Sternschnuppen!

Und was die Unternehmen betrifft, so kann ich mich an keinen Tag erinnern, an dem sich die Wirtschaft für unfehlbar gehalten hätte. Ganz im Gegenteil, all jene, die sich für unfehlbar gehalten haben, sind so rasch verglüht wie Sternschnuppen.

Herr Primosch, im Juli 2019 jährt sich Ihr Einstand bei Edelmann Deutschland. Worauf sind Sie in Ihrem ersten Jahr als CEO besonders stolz und wo sehen Sie Edelmann Deutschland in drei Jahren?

Ernst Primosch: Ich bin auf mein Edelman-Team stolz, denn sie haben eine gute Agentur in kürzester Zeit zu einer echten Client Centric Agentur weiterentwickelt. Edelman wird die Agentur sein, die State-of-the-art Lösungen, Kreativität und AI auf höchstem Niveau anbietet.

Vielen Dank für das Interview Herr Primosch!

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