• 27. Dezember 2019

Moritz Döbler, Chefredakteur der Rheinischen Post

„Ohne Journalismus gibt es keine Demokratie!“

Moritz Döbler, Chefredakteur der Rheinischen Post

Moritz Döbler, Chefredakteur der Rheinischen Post 150 150 Sven Lilienström

„Ohne Journalismus gibt es keine Demokratie!“

Moritz Döbler (54) ist seit dem 1. Januar 2020 Chefredakteur der Rheinischen Post. Der gebürtige Wuppertaler folgt damit auf Michael Bröcker, der als Chefredakteur der Media Pioneer Publishing GmbH eine neue journalistische Herausforderung gefunden hat. Vor seinem Wechsel zur Rheinischen Post war Döbler Chefredakteur des WESER KURIER und Vorstand der Bremer Tageszeitungen AG. Sven Lilienström, Gründer der Initiative Gesichter der Demokratie, sprach mit Moritz Döbler über repräsentative Demokratie, journalistisches Handwerk und digitale Reichweite.

Moritz Döbler, Chefredakteur der Rheinischen Post | © Andreas Krebs

Moritz Döbler, Chefredakteur der Rheinischen Post | © Andreas Krebs

Herr Döbler, als neuer Chefredakteur der Rheinischen Post möchten wir gerne auch Ihnen die Frage stellen: Welchen Stellenwert haben Demokratie und demokratische Werte für Sie ganz persönlich?

Moritz Döbler: Einen hohen, natürlich. Wie soll ein Journalist anders darauf antworten? Unsere Arbeit leitet sich aus der Pressefreiheit ab, als Grundrecht und als Verantwortung.

Ohne Journalismus gibt es keine Demokratie. Wer soll den Mächtigen sonst auf die Finger schauen?

Ohne Journalismus gibt es keine Demokratie. Wer soll den Mächtigen sonst auf die Finger schauen? Wir stehen für eine Gesellschaft der Freiheit. Unsere Meinungsseite nennt sich übrigens „Stimme des Westens“, was ich nicht nur als geographische, sondern als weltanschauliche Kategorie verstehe, also als die Stimme der Aufklärung, der Demokratie und westlichen Werte.

Der Populismus hat 2019 weiter Fahrt aufgenommen. Müssen wir über das Modell der repräsentativen Demokratie nachdenken, wenn es offenkundig zu so viel Unzufriedenheit in Teilen der Bevölkerung führt?

Moritz Döbler: Populisten unterwandern unsere demokratischen Institutionen, um sie zugleich verächtlich zu machen. Das ist perfide und widerlich. Ich denke keineswegs, dass die von Ihnen behauptete Unzufriedenheit aus der repräsentativen Demokratie rührt, sondern sich stets gegen ganz konkrete Entwicklungen und auch das fehlende Tempo mancher politischer Entscheidungen richtet.

Das britische Volk stimmt für den Brexit, der seinen objektiven Interessen zuwiderläuft!

Die jüngsten Beispiele für große plebiszitäre Entscheidungen zeigen doch, dass unser demokratisches Modell im Grundsatz überlegen ist. Das britische Volk stimmt für den Brexit, der seinen objektiven Interessen zuwiderläuft. Das muss man respektieren, darf man aber falsch finden.

Stichwort „Fake News“: Laut aktueller PwC-Umfrage sehen viele Deutsche Fake News und Social Bots als eine ernst zu nehmende Gefahr für die Demokratie. Was können wir gegen gezielte Falschmeldungen tun?

Moritz Döbler: Journalismus ist Handwerk, und schon immer gehörte es zu seinen wichtigsten Aufgaben, Lügen und Falschmeldungen aufzudecken.

Wir müssen unseren Job machen und dabei handwerkliche Fehler vermeiden.

Wir müssen unseren Job machen und dabei handwerkliche Fehler vermeiden. Und wir dürfen uns nicht beirren lassen von Stichwörtern, die uns Feinde der Demokratie vorgeben.

Lügenpresse und Systemmedien: Die AfD macht rechtes Vokabular zunehmend salonfähig. Beunruhigt Sie diese Entwicklung und was raten Sie Journalisten im Umgang mit derartigen Diffamierungen?

Moritz Döbler: Gegenfrage: Müssen wir wirklich über jedes Stöckchen der AfD springen? Auch hier zeigt sich die perfide Strategie der Populisten, die propagandistische Begriffe prägen, die dann schleichend in einen breiteren Diskurs eingehen, wie jetzt auch hier bei Ihnen. Es ist paradox: Je mehr wir über diese Diffamierung reden, desto mehr bleibt hängen. Also lassen Sie uns doch bitte aufhören damit. Es gibt bei uns seit dem Ende der NS-Zeit und dem Ende der DDR keine Systemmedien mehr, und die, die trotzdem davon sprechen, wünschen sich nichts sehnlicher, als die freien, demokratischen, vielfältigen Medien, auf die wir so stolz sein können, zu zerschlagen.

Jugendliche konsumieren Nachrichten am häufigsten über soziale Netzwerke. Was können „klassische“ Medien wie beispielsweise die Rheinische Post tun, um wieder interessanter für die Jugend werden?

Moritz Döbler: Die Rheinische Post ist längst nicht mehr nur ein klassisches Medium, sondern erzielt eine phänomenale digitale Reichweite, auch mit Hilfe von sozialen Medien, und erreicht mehr Menschen als jemals zuvor.

Die digitale Revolution ist für uns die größte Chance seit langer Zeit!

Die digitale Revolution ist für uns die größte Chance seit langer Zeit. Die Menschen, auch die jungen Menschen, lesen mehr und konsumieren mehr Nachrichten als je zuvor in der Geschichte. Unser Job ist es, relevante Inhalte zu produzieren, den Rest regelt der Markt.

Ich bin sicher, dass die Rheinische Post auf Dauer zu den Leitmedien des Rheinlands gehören wird.

Und ich bin sicher, dass die Rheinische Post auf Dauer zu den Leitmedien des Rheinlands gehören wird. Auch in 20, 50 oder 100 Jahren wollen die Menschen genau wissen, was in ihrer unmittelbaren Umgebung, also an ihrem Wohnort und in der Region, vor sich geht, und sie wollen Entscheidungen treffen und mitreden. Welche Technologien dann zum Einsatz kommen, wie die Geräte aussehen, die wir dann benutzen, wird sich zeigen, aber die relevanten Inhalte werden von uns kommen.

Der Begriff „Heimat“ erlebt derzeit eine gesellschaftspolitische Renaissance. In Ihrer journalistischen Laufbahn haben Sie mehrfach Ihr Wohn- und Arbeitsumfeld gewechselt. Was bedeutet Heimat für Sie?

Moritz Döbler: Das ist in der Tat eine schwierige und sehr persönliche Frage für mich. Ich stamme zwar aus NRW: in Wuppertal geboren, in Meerbusch eingeschult, in Detmold aufgewachsen. Aber ich lebe nun zum ersten Mal seit 35 Jahren wieder hier.

Vielleicht ist Heimat für mich nicht so sehr ein Ort, sondern eine Haltung.

In Berlin habe ich 15 Jahre lang gelebt und fand es großartig, in Bremen fühle ich mich wirklich wohl. Vielleicht ist Heimat für mich nicht so sehr ein Ort, sondern eine Haltung. In diesen Wochen genieße ich es sehr, meine neue Heimat zu erkunden. Düsseldorf ist so lebendig, vielfältig, weltläufig, ich freue mich auf diese Stadt und die Menschen hier.

Herr Döbler, unsere letzte Frage ist immer eine persönliche: Worauf freuen Sie sich als Neu-Rheinländer am meisten und wie verbringen Sie die Weihnachtsfeiertage und den Jahreswechsel?

Moritz Döbler: Mein 17-jähriger Sohn geht in den USA zur Schule und ist gerade für die Feiertage hergekommen. Ich freue mich unglaublich darauf, mit ihm Zeit zu verbringen. Die Weihnachtstage werden ruhig und besinnlich. Die Knallerei zu Silvester mag ich nicht so sehr, aber ich bin gespannt, wie Düsseldorf den Jahreswechsel begeht. Und dann geht es endlich los bei der Rheinischen Post, das neue Jahr wird sehr spannend!

Vielen Dank für das Interview Herr Döbler!

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